Brandschutzforum Austria

Rund um den Heimrauchmelder


Von OSR Dr. Otto Widetschek

ÜBER 1.000 MENSCHEN STERBEN IM DEUTSCHEN SPRACHRAUM JÄHRLICH DURCH BRANDRAUCH!
Endlich können wir mit einer Erfolgsmeldung aufwarten: Heimrauchmelder müssen künftig auch verpflichtend in Wohnhäusern eingebaut werden. Das ist ein Riesenschritt in punkto Brandsicherheit, denn die meisten Brandtoten gibt es nach wie vor im privaten Wohnbereich.
ABER NICHT BEI UNS!
Schon zu früh gefreut? Diese Jubelmeldung stammt nämlich nicht aus Österreich, sondern aus Deutschland, wo die Rauchmelderpflicht nun für Neubauten in Rheinland-Pfalz beschlossen wurde. „Dies ist eine Entscheidung im Sinne der Menschen, und sie hat hoffentlich Signalwirkung für ganz Deutschland. Rauch­melder sollten in allen Bau- und Feuerpolizeigesetzen verbindlich vorgeschrieben werden“, sagte DFV-Vizepräsident Ralf Ackermann in einer Pressemitteilung vom 11. Dezember 2003.
BIS DATO KEINE GESETZLICHE VERANKERUNG!
Was ist aber bei uns geschehen? Wir haben in Österreich bis dato leider keine gesetzliche Verankerung der Heimrauchmelder erzielen können. Dabei waren wir in der Steiermark schon nahe daran! Vor etwa zwei Jahren war das Thema brandheiß und wir hofften auf eine rasche Novelle des Feuerpolizeigesetzes, in welcher der kleine elektronische Lebensretter verbindlich vorgeschrieben werden sollte. Auch Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic unterstützte unsere gleichzeitig groß angelegte Werbeaktion im Sinne der öffentlichen Sicherheit. Trotz alledem wurde die Novelle bis heute aus für uns unerklärlichen Gründen nicht über die Bühne gebracht
Landeshauptmann Waltraud Klasnic: „Bis zum Jahre 2004 soll jeder Haushalt in der Steiermark mit Heimrauchmeldern ausgestattet sein!“ Anmerkung: Dieses Zitat aus BLAULICHT Heft 3/2002 ist bis heute leider ein frommer Wunsch geblieben.
EIN ARGER SCHILDBÜRGERSTREICH!

Es hat den Anschein, als würde der Heimrauchmelder in einer Art Ping Pong-Spiel zwischen unterschiedlichen Rechts- und Fachmeinungen ins Abseits gelangen. Da musste man anfänglich vernehmen, die nachträgliche Vorschreibung einer derartigen Sicherheitseinrichtung wäre ein nicht zulässiger Eingriff in einen wohl erworbenen baulichen Konsens. Dann wurde die Meinung vertreten, der Heimrauchmelder müsse jährlich von einem Fachorgan überprüft werden. Und schließlich hörte man, dass dieses Thema nicht feuerpolizeilich aufgearbeitet, sondern nur bei einer Novelle des Baugesetzes berücksichtigt werden könne. Schildbürgerstreiche der Sonderklasse!
WIR SPIELEN NICHT MEHR MIT!
Man hat den Eindruck, es gibt Kreise die einfach nicht wollen! Hier sind anscheinend notorische Verhinderer am Werk. St. Bürokratius schau oba! Und hier können wir Feuerwehrmänner nicht mehr mitspielen. Denn ich stelle die Frage: Ist die Vorschreibung eines seit Neuem nur mehr vier Euro teuren (!) Heimrauchmelders wirklich ein materiell und juridisch unzulässiger Eingriff? Dass eine jährliche Überprüfung, die ein Vielfaches des Anschaffungswertes des Brandmelders ausmacht, nicht zielführend ist, ergibt sich von selbst. Und mit einer Verankerung der Heimrauchmelderpflicht im Baugesetz würde man nur Neubauten und massive Umbauten in Bauwerken erfassen. Die Masse der Haushalte kann man jedoch nur über verbindliche Regelungen im Feuerpolizeigesetz (Feuerbeschau) erfassen! Das muss jedem juristischen Taferlklassler einleuchten!
WIE VIELE TOTE NOCH?
Das Drama dabei: In der Zwischenzeit sind in Österreich wieder eine Reihe von Menschen ums Leben gekommen, welche bei Vorhandensein von Heimrauchmeldern hätten gerettet werden können. Was aber uns Feuerwehrmänner besonders schockiert, sind tote Kinder, die wir immer wieder bei Zimmerbränden aus den Wohnungen, wie zuletzt in Graz und Lannach, bergen müssen. Oft scheinen sie nur zu schlafen, sind aber durch die heimtückischen Rauchgase tatsächlich sanft ins Jenseits entschlummert. Eine Tragödie für alle Angehörigen, aber vor allem auch für die Retter! Deswegen werde ich die Bürokraten, welche die gesetzliche Verankerung von Home-Meldern verhindern, nie und nimmer verstehen! Wie viele Tote muss es noch geben?
EIN UNGLAUBLICHER FALL
Mir ist schon klar, dass lediglich eine gesetzliche Vorschreibung als zu wenig und als der berühmte Papiertiger angesehen werden könnte. Wir müssen in diesem Zusammenhang selbstverständlich weiter intensive Aufklärungsarbeit leisten. Denn nur dann können derartige unglaubliche Fälle, wie der folgende, einer Familie aus Graz/Liebenau, verhindert werden: Nach einem Brand seines Einfamilien-Fertigteilhauses in unmittelbarer Nähe des Grazer MAGNA/Steyr Werkes in Liebenau übte der Familienvater herbe Kritik an der Betriebsfeuerwehr, weil diese angeblich nur widerwillig ausgerückt sei!
In Wirklichkeit wurde die Feuerwehr vom Hausbesitzer überhaupt nicht alarmiert, rückte aber aufgrund einer Meldung eines Mitarbeiters, der den Brand zufällig entdeckte, freiwillig aus. Sie ist dem Grunde nach auch überhaupt nicht für den öffentlichen Brandschutz zuständig, sonder nur für die Sicherheit im Betrieb. Trotzdem war sie vor der Berufsfeuerwehr, die einen langen Anmarschweg besitzt, anwesend und begann mit den Löscharbeiten, des in Vollbrand befindlichen Hauses.

IM KASTEN GELAGERT!  

Wieso stand das Haus jedoch in Vollbrand? Weil der Brand - trotz der fünf im Hause vorhandenen Heimrauchmelder - über weit eine halbe Stunde nicht erkannt werden konnte. Wieso das? Diese elektronischen Rauchmelder waren nämlich nicht an den Decken montiert, sondern fein säuberlich in einem Plastiksack verpackt in einem Kasten gelagert. Trotzdem hat sich der feine Hausherr über die Feuerwehr in aller Öffentlichkeit mokiert und die Zeitung verständigt. Ja, man erlebt schon so manches Wunder rund um den Problemkreis Heimrauchmelder!

Das Einfamilienhaus musste abgerissen werden, weil die Heimrauchmelder nicht montiert, sondern in einem Kasten verstaut waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rauchmelder im Test der Stiftung Warentest


 

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